Anschaffung & Haltung

Mit der Domestizierung der Tiere stellt sich natürlich auch die Frage, wie Alpakas gehalten werden können. Das betrifft nicht nur die Fläche, die für eine artgerechte Haltung nötig ist, sondern auch welche Ansprüche die Tiere an Klima, Region und soziale Faktoren stellen. Auch die Kosten sollte man nicht vernachlässigen.

Haltung von Wolltieren

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Zu jeder Jahreszeit sollten die Tiere genug zu fressen haben

Dazu zunächst ein paar Sätze zu Schafen. Deren Haltung hast Du nämlich bestimmt schon einmal gesehen, denn sie ist hierzulande öfter anzutreffen. Von Schafen als Lieferanten von Wolle kennen wir ein klassisches Bild: Auf grünen Wiesen grasen oft mehrere Dutzend Schafe in einer großen Herde. Dabei ist die Wiese eingezäunt, denn Schafe sind Fluchttiere. Die Schafe fressen das Gras auf der Wiese und werden zu bestimmten Zeiten im Jahr geschoren. Nachts oder bei Regen finden sie Unterschlupf in ihrem Stall. Das hört sich vielleicht simpel an, doch die Haltung von Schafen wird von Unerfahrenen leicht unterschätzt. Die Vorstellung vom Schaf, welches mit Hilfe eines Hütehundes einfach getrieben werden kann ist einfach zu romantisch. Denn der Traum davon, das Tier als Wollproduzent nutzen zu können, welcher ganz nebenbei auch noch einen automatisierten Rasenmäher abgibt, dürfte arg an der Realität vorbeigehen. Allein die Grünfläche, welche für eine ausreichende Versorgung von Nöten ist, übersteigt meist die Vorstellung des Laien. Gehen wir von 10 Mutterschafen aus, welche zusätzlich noch Lämmer aus der Nachzucht zu versorgen haben: Allein diese Herde benötigt unter durchschnittlichen Bedingungen ca. ein Hektar. Dies berücksichtigt jedoch bereits eine Futterrückstellung für die Wintermonate. Denn auch die Versorgung im Winter muss im Hinterkopf behalten werden. Zur kalten Jahreszeit kann es schließlich unwirtlich werden und das Gras wächst viel langsamer. Ich will niemanden entmutigen. Allerdings sind diese Sachen wichtig, wenn es um die Überlegung geht, sich Schafe zuzulegen.

Alpakahaltung

Doch wie sieht das bei Alpakas aus?

Auch wenn sie mit den Schafen nicht allzu viel gemeinsam haben, musst Du Dir über ähnliche Faktoren bei der Anschaffung und Haltung Gedanken machen. Schließlich sind auch sie Herdentiere und benötigen beispielsweise soziale Kontakte. Logisch, dass es eine schlechte Idee ist, sie einzeln zu halten. Das bedeutet, dass Du nicht in kleinen Kategorien denken solltest, wenn Du Alpakas kaufen und halten möchtest.

Sicherlich betrifft das auch die Fläche, welche der Herde zur Verfügung stehen sollte. Empfohlen werden oftmals ca. 1000m² für die ersten zwei Tiere. Für jedes weitere Herdenmitglied sollten ungefähr 100m² zusätzlich angepeilt werden. Mit Berücksichtigung der benötigten Futtermenge auf einer etwaigen Weide kommt man allerdings eher auf eine Fläche von knapp 1000m² pro Nase. Da Alpakas jedoch besonders in jungen Jahren viel herumtoben möchten, kann ein größeres Areal aber nicht schaden. Gedanken über die Futterversorgung im Sommer und Winter sind ohnehin unabdingbar, zumal im Winter ja Futter beschafft werden muss. Grund genug, über die eigene Herstellung von Futter nachzudenken. Wenn Du mehr über die Ernährung und Fütterung erfahren möchtest, habe ich das in diesem Beitrag etwas genauer erläutert.

Alpakas müssen trinken – auch im Winter

Im Winter brauchen die Tiere unbedingt einen Stall, wobei man ihnen dabei die Wahl lassen sollte, wo sie sich aufhalten; sie nur im Stall zu halten ist verboten. Auch hier gibt es Empfehlungen, welche mindestens 2m² Stallfläche pro Tier anraten. Die Höhe des Stalls sollte dann bei wenigstens 2 bis 3 Metern liegen. Praktischerweise muss im Winter über eine Heizung für die Tiere nicht nachgedacht werden, gegen Kälte sind sie recht robust. Allerdings muss natürlich die Wasserversorgung auch bei Minusgraden gewährleistet sein.

Was die Höhe des Zauns angeht, ist man im Idealfall mit 1m bis 1,5m Höhe gut beraten, damit die Tiere nicht ohne weiteres entlaufen können. Für diesen Zweck gibt es einige Zaunarten die sich eignen, auf Stacheldraht sollte der Tiere zuliebe jedoch verzichtet werden.

Was kosten Alpakas?

Kauf und Haltung sollten wohlüberlegt sein. Denn bereits wenn du ein Alpaka kaufen möchtest, erfordert das nicht selten vierstellige Investitionen. Keine Peanuts also. In keinem Fall solltest du leichtgläubig auf vermeintliche Schnäppchen zu wenigen Euro eingehen! Denn wie so oft in der kommerziellen Tierzucht können auch bei den Alpakas dubiose Händler lauern, welche die Kameliden unter unwürdigen Umständen aus reiner Profitgier mit möglichst minimalem Einsatz und zu billigen Preisen hochziehen wollen. Solche Tiere leiden, sind in einem schlechten Zustand und wahrscheinlich weder geimpft, noch entwurmt. Ähnlich wie bei Katzen oder Hunden ist dies nämlich ebenfalls nötig. Solche Haltungs- und Zuchtformen sind nicht artgerecht und können keinesfalls im Interesse eines Tierfreundes sein.

In der Regel gibt es auch einen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein: Je nach Geschlecht zahlt man für ein Alpaka Preise in unterschiedlicher Höhe. Die realistische Summe für einen Alpakahengst kann kaum bei wenigen hundert Euro liegen, üblich sind eher Preise um 1000 Euro und darüber. Alpakastuten sind hingegen meist wesentlich teurer. Ebenfalls wichtig für den Preis: Entwicklungen bei den Züchtern. Denn der Betrag hängt auch mit den Trends der Zuchtbranche zusammen und variiert je nach Eigenschaften der Tiere oder der Produkte, die von ihm gewonnen werden können (Farbe, Muster, usw.). Günstigere Käufe kannst du eventuell erreichen, wenn du gleich mehrere Tiere oder eine Herde für einen Gesamtpreis von mehreren tausend Euro kaufst.

Was kostet die Haltung von Alpakas?

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Auch für Alpakas wichtig: ein Dach über dem Kopf

Aber nicht nur die Anschaffung ist ein Kostenfaktor, auch die logistischen Anforderungen müssen bedacht werden. Wie gesagt gibt es zunächst das Alpaka, Preise dafür richten sich nach unterschiedlichen Wünschen der Käufer. Darüber hinaus muss eine genügend große Weide vorhanden sein, welche ausreichend Platz bietet. Wenn du kein solches Grundstück besitzt, kannst du eins kaufen oder pachten. Je nach Größe der Fläche solltest Du bedenken, dass auch im Winter genug Futter zur Verfügung stehen muss. Daher sollte entweder die Wiese entsprechend dimensioniert sein, oder du beziehst Dein Futter von woanders. Bei einer ausreichenden Selbstversorgung mit Heu solltest Du nicht vergessen, dass dies eine arbeitsintensive Aufgabe ist, welche die Anschaffung von entsprechenden Geräten erfordern kann. Eine weitere Platzfrage stellt sich bei der Trocknung und Lagerung des selbst hergestellten Futters. Auch die Zäune die Du benötigst, kosten Geld.

Was den Stall angeht hast du vielleicht Glück und auf der Wiese steht noch eine alte, hinreichend große Scheune, die als Stall genutzt werden kann. Ein wichtiger Faktor bei der Alpakahaltung ist außerdem natürlich Zeit. Die musst Du haben. Denn nicht nur die Haltung sondern auch die Pflege nimmt Zeit und Geld in Anspruch.

Kurzgefasst also hier einige wichtige Kostenfaktoren welche höchstwahrscheinlich auf Dich zukommen werden, wenn du dir Tiere zulegen möchtest:

  • das Tier
  • die Wiese
  • Infrastruktur (Stall, Zäune, Tränken, …)
  • Futterversorgung im Winter
  • evtl. Maschinen zur Futterherstellung, Platz zur Trocknung
  • Zeit